Bericht Coburg Tageblatt 12/2018 - Galerie 13

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Neustadter Künstler fand vom Pinsel zur Feder
Der Neustadter Maler Ralf Vieweg hat neben der Malerei das Schreiben für sich entdeckt und vor kurzem sein erstes Buch veröffentlicht.

Ralf Vieweg? Das ist doch der Maler. Stimmt. Aber inzwischen ist der Neustadter Künstler auch Autor. Vor kurzem erschien sein erstes Buch. "Des Bauern Lohn" ist keine Abrechnung mit den Schwierigkeiten, in der Landwirtschaft Geld zu verdienen. Es ist ein Märchen. Genaugenommen bezeichnet es Ralf Vieweg selbst als "Märchenhafte Erzählung für Erwachsene".

Wer die Ölgemälde kennt, die Ralf Vieweg in seiner "Galerie 13" in Neustadt ausstellt, der wird vermuten, wie es zu dem kleinen Zusatz "für Erwachsene" kommt. Schöne Frauen mit wenig Kleidung gehören zu den bevorzugten Motiven des Malers Vieweg. Ein Hauch Erotik findet sich folgerichtig auch in seinem ersten literarischen Werk. "Aber ohne es damit zu übertreiben", betont er. Und damit übertreibt er nicht. Es bleibt eben bei einem Hauch und einem Augenzwinkern. Wenn er sich an Erwachsene richtet, dann wohl auch, weil er nicht den schlichten Satzbau von Mobilfunknachrichten verwendet.

Alles, was ein Märchen braucht

Die Geschichte erfüllt alles, was von einem echten Märchen zu erwarten ist. Es geht um Not und Hilfe, Stolz, Undank und die gerechte Strafe für den, der im Erfolg vergisst, wem er alles verdankt. Der Anführer der Krähen ist es, der einem jungen Bauern hilft, die Liebe seines Lebens zu gewinnen und seinen Hof zur Blüte zu führen. Nicht ohne Gegenleistung gibt er diese Hilfe. Entsprechend hart ist die Strafe, als der Bauer seine Abmachung bricht. Am Ende verliert er alles, versteht aber auch, was er falsch gemacht hat und verspricht geläutert, sich zu bessern.

Um eine Besonderheit von Ralf Viewegs Ausflug aus der Malerei in die Literatur zu verstehen, lohnt der Blick darauf, wie er zum Schreiben kam. Es begann mit einer Adventsfeier vor etwa drei Jahren. "Jeder sollte etwas vortragen. Ehe ich mir etwas aus dem Internet suche und riskiere, dass ein anderer das gleiche vorträgt, dachte ich, ich mach was eigenes", erzählt Vieweg. Er begann zu reimen. Das ließ ihn nicht mehr los. "Es hat mit Spaß gemacht, wenn etwas gut klingt", sagt er und erwischt sich immer wieder, wie er plötzlich Zeilen im Kopf hat, die sich gut reimen und er anfängt, immer mehr dazu zu denken - und eben auch aufzuschreiben.

Alle sprechen in Reimen

Die Besonderheit im Buch? Zunächst kommen nach dem Vorwort des Autors eine Reihe von seinen Gedichten. Doch auch im Märchen selbst finden sich jede Menge Reime. "Alle wörtliche Rede ist in Gedichtform", sagt der Autor. Tatsächlich nicht unbedingt üblich. Dabei gibt es noch einen Unterschied. Um deutlich zu machen, welcher Sprecher höher und welcher weniger gebildet ist, sprechen die Gebildeten im Kreuzreim. Die weniger hellen Köpfe lässt Vieweg im Paarreim zu Wort kommen.

Frivol aber nie ordinär

Dass er seiner Kreativität nicht mehr nur mit dem Pinsel sondern auch mit der Feder, sprich Tastatur, Ausdruck verleiht, war für den Künstler nur konsequent. Ebenso, dass sich im Schreiben spiegelt, was seine Malerei seit vielen Jahren prägt: "Ich scheue mich keineswegs, mich auch mal Frivolitäten hinzugeben und diese in meinen Versen auszukosten. Doch auch dieses Genre ist Teil meines klar und rational angelegten Schaffens, das nicht ins Ordinäre abrutscht", stellt er klar.

Ralf Vieweg möchte in seinen, wie er selbst sagt, oft "sehr irdischen" Gedichten und Texten auch das Überirdische streifen. Mal will er erheitern, mal aber auch zum Nachdenken anregen, ein wenig Lebensweisheit vermitteln. Am Ende aber immer wieder zeigen, dass alles zu einem positiven Ende zu bringen ist. All seine Geschichten sollen "einerseits die Leichtigkeit, aber auch eine unverkennbare Hintergründigkeit sowie die mir eigene Lebensfreude, die sich in meiner unkomplizierten und eingängigen Handschrift wiederfindet, offenbaren", beschreibt er sein Bestreben in der Kunst. Wenn ein Maler sein erstes Buch herausbringt, ist es nur konsequent, dass er auch das Cover selbst gestaltet. Tatsächlich steht in der Galerie 13, in dem der Autor ein paar Passagen seines Buches vorträgt, eine Staffelei mit dem Gemälde, das schließlich zum Einband für "Des Bauern Lohn" geworden ist.

Bericht von Rainer Lutz, Coburger Tageblatt, vom 12.12.2018


 
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